Grundsätzliches
zur
Belagswahl (inklusive Hinweise zu chinesischen Belägen)
Im
folgenden erläutern wir einige der wichtigsten Faktoren, die
für die
Auswahl eines bestimmten Belages entscheidend sein können. Auch
wollen wir Spielern, die noch nie einen chinesischen Belag gespielt
haben, einige Informationen zu diesen Belägen geben.
Vorbei
sind die Zeiten, in denen sich die Belagswahl auf wenige
verschiedene Beläge reduzierte und China-Beläge zwar klebrige
Oberflächen, aber grundsätzlich betonharte Schwämme
aufwiesen. Letztere haben zwar immer noch Anhänger, die Auswahl
ist
aber dramatisch gestiegen. Sogar Beläge mit sehr weichen und
schnellen Schwämmen kommen längst nicht mehr nur aus Japan
oder Deutschland.
Viele Beläge kombinieren auch klebrige chinesische Obergummis mit
japanischen/deutschen Schwämmen und verwischen somit frühere
Gegensätze. Schwämme gibt es von extrem weich - extrem hart,
was für das Spielgefühl ein entscheidender Faktor ist.
Wesentlich unterscheiden sich die Schwämme auch in ihrer Dynamik
("Katapulteffekt"). Dies ist auch unabhängig von der
Schwammhärte. Beide Faktoren, Schwammhärte und
Katapulteffekt, beeinflussen natürlich auch das gesamte Tempo des
Belages. Klassische chinesische Beläge haben einen deutlich
geringeren Katapulteffekt als japanische Beläge, bei modernen
Neuentwicklungen ist dieser Unterschied aber nicht mehr vorhanden.
Tendenziell empfehlen sich Beläge mit härteren Schwämmen
eher für Spieler mit kürzeren Armbewegungen, Beläge mit
weicheren Schwämmen mehr für Spieler mit längeren
Armbewegungen (z.B. beim Topspin).
Ein hoher Katapulteffekt des Belages ist notwendig, um auch effektiv
aus der Halbdistanz spielen zu können. Klassische chinesische
Beläge mit geringem Katapultffekt eignen sich nur für das
tischnahe, meist nicht zu offensive, Spiel. Höherklassige Spieler
setzen solche Beläge vorwiegend für ein unangenhmes
Blockspiel, bei dem der Belag viel Tempo aus dem Spiel nimmt, ein.
Für die breite Masse an Spielern sind solche Beläge folglich
nur begrenzt geeignet. Als Faustregel: Je elastischer der Schwamm, je
höher der Katapulteffekt.
Bei
dem Obergummi sind die Elastizität und die Griffigkeit
entscheidende Punkte, die wesentlich die Effetwerte des Belages
mitbestimmen. Bezüglich der Griffigkeit unterscheidet man zwischen
klebrigen (wörtlich zu nehmen) und normalgriffigen Belägen.
Letztere können weniger Spin erzeugen, sind aber gegen ankommenden
Effet wesentlich unempfindlicher und somit oft auch leichter zu spielen
mit meist flacherer Ballflugkurve. Griffige und klebrige Beläge
sind bis
zur obersten Spielklasse in etwa gleichen Anteilen vertreten; auch hier
entscheidet also wieder der eigene Geschmack.
Um aber tatsächlich maximale Effetwerte bieten zu können,
muss ein Obergummi nicht nur möglichst griffig, sondern auch
möglichst elastisch (wie bei Schwämmen auch) sein. Durch ein
hochelastisches Obergummi können auch normalgriffige Beläge
enorme Rotation erzeugen. Den ultimativen Spin bieten folglich
Beläge, die sowohl elastische als auch klebrige Obergummis haben.
Über die Spieleigenschaften (z.B. Tempo) eines Obergummis
entscheiden darüber hinaus auch die Härte und Dicke der
Gummimischung sowie die Anordnung und Länge der Noppen.
Ich
bitte aber darum, "normal griffig" nicht mit den Eigenschaften von
Anfängerbelägen bei Fertigschlägern zu verwechseln;
diese sind oft überhaupt nicht griffig.
Grundsätzlich
macht ein dickerer Schwamm den Belag wesentlich
schneller. Oft wird aber vergessen, dass damit auch das Gewicht
deutlich zunimmt.
Zusätzlich
gilt die Faustregel, dass Beläge mit härteren
Schwämmen schwerer sind als Beläge mit weicheren. Ausnahmen
bestätigen aber die Regel. Dies daher, da das Gewicht des
Obergummis auch
eine erhebliche Rolle spielt - je härter und dicker, je
schwerer. In unseren Artikelbeschreibungen wird auf das
Gewicht dann explizit hingewiesen, falls dieses deutlich positiv oder
negativ vom Durchschnitt abweicht. Bitte bedenken Sie, dass einige
chinesische Beläge wirklich extrem schwer sind - einige aber auch
extrem leicht. Der Unterschied z.B. zwischen einem LKT Pro XP maximale
Schwammstärke und einem Friendship 729-2 Leopard kann pro
Schlägerseite bis zu ca. 25 gr. betragen. Es ist aber falsch zu
glauben, dass chinesische Beläge generell schwerer sind als
japanischer oder deutsche - deutsche Schwämme sind sogar teilweise
besonders schwer, daher auch das hohe Gewicht des Friendship 729-2
Leopardes.
Das Gewicht des Belages bestimmt natürlich auch die
Gewichtsverteilung des gesamten Schlägers. Ein leichtes Holz
kombiniert mit sehr schweren Belägen ist sehr kopflastig, ein
schweres Holz kombiniert mit sehr leichten Belägen grifflastig.
Und: Wer überwiegend mit der Vorhand angreift, sollte auf der
Rückhand niemals einen deutlich schwereren Belag montieren als auf
der Vorhand. Beläge mit langen oder kurzen Noppen außen sind
übrigens wesentlich leichter als noppen-innen Beläge.
Immer
stärker im Kommen sind sogenannte "Tensor" Beläge,
Beläge mit eingebautem Frischklebeeffekt. Zumindest werden diese
als solche beworben. In der Realität spielen sich diese
Beläge zwar dynamischer als herkömmliche, das Frischkleben
können sie aber bislang noch nicht ersetzen. Ursprünglich hat
die deutsche Firma ESN (fertigt Beläge für viele bekannten
Marken her) die ersten Tensorbeläge entwickelt und eigentlich darf
man auch nur Beläge dieser Firma genau so bezeichnen. Inzwischen
haben auch Japaner und Chinesen Beläge mit mehr oder minder
starkem eingebautem Frischklebeffekt entwickelt. Diese werden unter
diversen ähnliche Begriffen (z.B. "Tension") beworben.
Allerdings wird hiermit viel Schindluder betrieben, fast alle
chinesischen Hersteller bewerben Beläge entsprechend, ohne dass
von einem tatsächlich eingebauten Frischklebeffekt überhaupt
etwas zu spüren ist. Die Anzahl von chinesischen Belägen mit
tatsächlich eingebautem Frischklebeffekt ist eher begrenzt. Auf
unserer Internetseite finden Sie daher auch keine falsche Werbeprosa.
Oft werden wir auch nach der Qualität und Haltbarkeit speziell der
chinesischen Beläge gefragt. Dazu sei gesagt, dass wir
minderwertige chinesische Beläge und handelsübliche
Fälschungen nicht verkaufen. Den höchsten
Qualitätsstandard bei chinesischen Belägen haben Friendship
und alle Marken, deren Beläge in der gleichen Fabrik hergestellt
werden. Aber auch innerhalb einer Marke gibt es Unterschiede, die
teuersten Beläge von Friendship halten genauso lang wie japanische
Beläge auch, die preiswerteren nicht ganz so lang. Bei anderen
Marken, z.B. Kokutaku, selektieren wir die Beläge selber, um einen
konstant hohen Qualitätsstandard garantieren zu können.
Ein weiteres Thema bezüglich der Qualität von Belägen
ist die Schwankungsbreite bei den Spieleigenschaften. Es ist nicht zu
vermeiden, dass der Schwamm mal etwas härter, mal etwas weicher
ausfällt, mal minimal dicker oder dünner etc. Bei japanischen
/ deutschen Belägen sind diese Schwankungen kaum zu spüren.
Nicht bestritten werden kann, dass diese bei chinesischen Belägen
höher sind. Gerade die Marke "Palio" hat hier große
Probleme. Bei Belägen von Friendship ist dieses Problem nicht so
groß, der Rest liegt im Mittelfeld. Eine gute Lösung zur
Vermeidung dieses Problems ist die Wahl chinesischer Beläge mit
japanischen oder deutschen Schwämmen, dann sind die Schwankungen
auch nicht größer als bei teureren Belägen -
vorausgesetzt der Hersteller hat immer den richtigen Schwamm mit dem
Obergummi verklebt. Selbst dies ist bei chinesischen Belägen nicht
immer garantiert, deshalb kontrollieren wir die Qualität jedes
Belages genau, um Ihnen immer fast gleiche Beläge liefern zu
können.
Zurück zum allgemeinen, eine gute Richtlinie bei der Wahl des
richtigen Belages ist es auch den
Vorhandbelag in einer dickeren oder gleich dicken Schwammstärke zu
wählen als den Rückhandbelag (niemals den Rückhandbelag
dicker). Auch Spieler in der Lernphase, die anfangs ihre Rückhand
als stärker empfinden, sollten dies tun um das erlernen der
Schlagtechniken optimal zu fördern.
Nicht
unerwähnt bleiben sollen die Spezialbeläge, kurze
Noppen (außen), lange Noppen (außen) und Antis. Letztere
sind Noppen-Innen Beläge mit einer völlig glatten
Oberfläche die gegen ankommenden Effet völlig unempfindlich
ist, aber selbst auch keinen Effet erzeugen kann. Die meisten
Anti-Beläge sind zudem extrem langsam. Antis gelten inzwischen als
überholt und werden nur noch gelegentlich in den unteren
Spielklassen eingesetzt. Auch der Versuch, Antis als Alternative zu den
sogenannten glatten langen Noppen zu verkaufen, sehen wir sehr
kritisch.
Auch
Beläge mit kurzen Noppen außen sind gegen Schnitt
unempfindlich und erzeugen selber meist wenig Rotation. Im Gegensatz zu
Anti-Belägen verfügen sie aber wenigstens über eine
gewisse Störwirkung und können und sollten vor allem auch
offensiv
eingesetzt werden (in dünnen Schwammstärken teilweise auch
für die Defensive geeignet). Von den meisten Spielern werden kurze
Noppen auf der
Rückhand eingesetzt um dort Schwächen in der Schlagtechnik zu
überdecken - denn mit diesen Belägen zu spielen erfordert um
in unteren Spielklassen mitzuhalten wenig ausgereifte Schlagtechniken,
hauptsächlich nur das notwendige Ballgefühl.
Inzwischen gibt es aber immer mehr moderne kurze Noppen, mit denen auch
konstruktiv gespielt werden kann (z.B. sogar ein technisch sauberer
Topspin) .
Bei
langen Noppen sieht das ganze wieder anders aus. Lange Noppen haben
eine erhebliche Störwirkung die den
Gegner oft zur Verzweiflung bringt, sind aber alles andere als leicht
zu spielen. Ob direkt am Tisch oder in der klassischen
Unterschnittabwehr, diese Beläge erfordern viel Gefühl und
Übung.
Beherrscht
man diese Beläge aber, stellen sich schnell Erfolge
ein. Bei den langen Noppen unterscheidet man zwischen ungeriffelten und
geriffelten Noppen, bezogen auf die Noppenköpfe. In den letzten
Jahren war noch ein 3. Typ dazu
gekommen, die sogenannten glatten langen Noppen. Bei diesen langen
Noppen war die Noppenoberfläche durch den Auftrag einer Art
Lackschicht extrem glatt, was den Störeffekt noch zusätzlich
erhöhte. Dieser Belagtyp wurde aber 2008 wieder verboten.
Was vielen Spielern nicht bewußt ist: Mit langen Noppen sollte
man nicht zu offensiv spielen, denn sonst können die Noppen
schnell brechen. Sicherlich ist ein Schuß mit langen Noppen
für den Gegner extrem unangenehm, allerdings sind die Noppen
für ein solches Spiel nicht konstruiert. Ein einziger harter
Schuß mit langen Noppen kann den Belag zerstören.
Wie lange lange Noppen halten, hängt also vor allem davon ab, wie
offensiv oder defensiv diese eingesetzt werden. Im Gegensatz zu kurzen
Noppen ist die Haltbarkeit aber auf keinen Fall unbegrenzt.
Tip: Wer dauerhaft mit langen Noppen spielt, sollte immer einen
Ersatzbelag griffbereit haben.
Grundsätzlich
sollten Spieler in der Lernphase auf Spezialbeläge verzichten, da
nur mit normalen Noppen-Innen
Belägen das Erlernen aller Schlagtechniken möglich ist.
Sicher macht es Sinn, auch gelegentlich im Jugendbereich Spieler zu
Abwehrspielern mit langen Noppen auszubilden; dies aber nur unter
Anleitung eines erfahrenen Trainers. Ansonsten empfehlen wir
Noppenbeläge nur Spielern, die mit Noppen-Innen Belägen z.B.
auf der Rückhand gravierende Schwächen haben und deswegen
bereits seit längerem in der Leistung unbefriedigend stagnieren.
